Die Anregung zu „Paradise Lost“ fand John Milton gleich im ersten Buch der hebräischen Bibel; Aspekte der Trauer über einen verlorenen heiligen Zustand ergänzte er nach den Prophetenbüchern Jesaja und Hesekiel. Der durch eigenes Handeln her beigeführte Verlust der unmittelbaren Nähe zu Gott durchzieht als Motiv ebenso die ergreifenden Klagelieder aus dem Buch Jeremia. Der Prophet betrauert die Zerstörung Jerusalems und den gebrochenen Bund zwischen Gott und seinem Volk. Giovanni Pierluigi da Palestrina gehört zu den Komponisten, die diese „Lamentationes“ im 16. Jahr hundert in besonderer Intensität als Gesänge zur Karwoche vertont haben. Im Wechsel mit polyphonen Responsorien zur Leidensgeschichte Jesu interpretiert das Vokalensemble Cinquecento diese Musik als individuelle künstlerische Annäherungen an die Begriffspaare Ordnung und Chaos, Heimat und Exil.
18:40 Uhr Konzerteinführung mit Midori Seiler vor dem ersten Konzert des Abends
Programm:
Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca. 1525 – 1594):
Lamentationes Ieremiae Prophetae (Liber II)
Feria V (Gründonnerstag), Lectio I à 4
Responsorio: In monte oliveti
Feria V (Gründonnerstag), Lectio III à 5
Responsorio: Ecce vidimus eum
Feria VI (Karfreitag), Lectio I à 4
Responsorio: Omnes amici mei
Feria VI (Karfreitag), Lectio III à 5
Responsorio: Vinea mea electa
Sabato Sancto (Karsamstag), Lectio II à 5
Responsorio: Jerusalem, surge
Besetzung:
Cinquecento
Terry Wey – Cantus
Tore Tom Denys – Tenor
Tim Scott Whiteley – Bariton
Ulfried Staber – Bass
als Gast
Jan Petryka – Tenor